Unter dem Motto «Weihnachten in Grafenegg» liefert Ihnen das Tonkünstler-Orchester am zweiten Weihnachtsfeiertag um 18 Uhr einen festlichen Konzertfilm für Groß und Klein direkt aus dem Grafenegger Auditorium nach Hause. © Beatrice Schreiner

«Hänsel und Gretel» als Konzertfilm

ENGELBERT HUMPERDINCK «HÄNSEL UND GRETEL»

Konzertfilm «Weihnachten in Grafenegg» mit dem Tonkünstler-Orchester

26.12. | 18.00 Uhr | Online

Verfolgen Sie die digitale Premiere am 26. Dezember um 18 Uhr entweder auf unserem Facebook- oder YouTube-Kanal!
Den Konzertfilm können Sie auch über die Streamingplattform myfidelio.at ansehen.

 

 

INTERPRETEN

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich
Nikola Hillebrand, Sopran
Kate Lindsey, Mezzosopran
Christian Schumann, Dirigent

PROGRAMM

ENGELBERT HUMPERDINCK
«Hänsel und Gretel»
Märchenoper in drei Bildern (1893)
Auszüge (Zusammenstellung: Roberto Paternostro, Patrick Hahn)

Vorspiel — II. Bild, 1. Szene. «Ein Männlein steht im Walde» —
I. Bild, 1. Szene. «Brüderchen, komm tanz’ mit mir» —
III. Bild. Das Knusperhäuschen — Hexenritt. Vorspiel zum II. Bild —
III. Bild, 3. Szene. Knusperwalzer. «Juchhei! Nun ist die Hexe tot» —
II. Bild, 2. Szene. «Der kleine Sandmann bin ich» — Abendsegen —
II. Bild, 3. Szene. Pantomime

 

Brüderchen und Schwesterchen schon bei der Entstehung: Das Libretto von Engelbert Humperdincks Märchenoper stammt von seiner Schwester Adelheid. Im Sog spätromantischer Musik zieht es das Geschwisterpaar zur Hexe in den Wald – und beinahe in den Ofen. Wenn am Ende der Hexenofen explodiert ist und die vielen Lebkuchen des Knusperhäuschens sich in die Kinder zurückverwandeln, die sie zuvor gewesen sind, ist der Zauber groß und die Freude auch! Die von den österreichischen Dirigenten Roberto Paternostro und Patrick Hahn eigens für Grafenegg zusammengestellte Suite vereint beliebte Melodien aus Humperdincks Erfolgsstück, darunter das Duett «Brüderchen, komm tanz’ mit mir», der Hexenritt und der Knusperwalzer sowie das Sandmann-Lied mit dem berührenden Abendsegen. Unter der Leitung von Christian Schumann hat das Tonkünstler-Orchester gemeinsam mit Nikola Hillebrand als Gretel und Kate Lindsey als Hänsel und als Sandmännchen Ausschnitte des Adventklassikers für diesen attraktiven Konzertfilm aufgenommen: ein Geschenk an das treue Publikum und der musikalische Höhepunkt für die Familienweihnacht!

 

 

MYTHEN, MÄRCHEN, MEISTERKLÄNGE
«KINDERSTUBEN-WEIHFESTSPIEL»

Über Engelbert Humperdincks Märchenoper «Hänsel und Gretel»

Engelbert Humperdinck hätte sich wohl selbst nicht träumen lassen, dass er dereinst als Komponist gleich mehrerer Märchenopern in die Musikgeschichte eingehen würde, als er mit 25 Jahren als Kompositionsstudent in München seinem Tagebuch anvertraute: «Abends im Bett las ich einige Grimm’sche Märchen, von denen ich mich sehr angeregt fühlte, so dass die arbeitende Phantasie mich lange nicht zur Ruhe kommen ließ. Alte Paderborner Erinnerungen wurden wach [Humperdinck war dort zur Schule gegangen, Anm.], das stetig wiederkehrende Thema von dem schönen Königssohn und der noch schöneren Königstochter gemahnte an die glücklichen unschuldsvollen Zeiten der ersten liebe.» In der Tat sollte Humperdinck auch die «Königskinder» auf die Musiktheaterbühne bringen, wobei deren zweite Fassung gar an der Metropolitan Opera in New York ihre Uraufführung erlebte, außerdem «Dornröschen» sowie in Form von Lieder- oder Singspielen «Schneewittchen» und «Die sieben Geißlein» – nicht zu vergessen seinen größten und bis heute andauernden Erfolg mit der Oper «Hänsel und Gretel», die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert.

«Es war einmal ein armer Holzhauer, der lebte mit seiner Frau und zwei Kindern in einer dürftigen Waldhütte»: So beginnt das Märchen, und zwar nicht in der von den Gebrüdern Grimm aufgezeichneten und in den 1810er-Jahren erstmals gedruckten Fassung, sondern in jener Version, die Ludwig Bechstein 1845 in seinem «Deutschen Märchenbuch» veröffentlicht hat. Diese im 19. Jahrhundert zunächst weiter verbreitete Variante liegt auch Humperdincks Vertonung zugrunde – wobei die Entstehungsgeschichte mehrere Schritte umfasst. «Hatten die Brüder Grimm», so beschreibt Julia Liebscher den literarischen Sachverhalt, «Volksmärchen als Inbegriff und Urgestalt der Poesie empfunden, und versuchten sie, die Texte im authentischen Wortlaut, phonographisch getreu aufzuzeichnen, so stand für Bechstein, der sich weniger um den Erhalt der schlichten Volkssprache bemühte, die plakative, drastische Schilderung im Vordergrund; sein subjektiv geprägter Stil tendiert zu theatraler Übertreibung.

Einer Bühnenbearbeitung schien diese Version deshalb eher entgegenzukommen als die stille Erzählweise der Brüder Grimm mit ihrem leisen, anheimelnd-bezaubernden Tonfall.» Als Humperdincks Schwester Adelheid Wette ein Märchenspiel schrieb, das ihre Kinder zum Geburtstag ihres Mannes aufführen sollten, hatte sie die Handlung freilich von einigen brutalen Motiven befreit oder diese gemildert. Humperdinck komponierte im Mai 1890 vier zweistimmige Lieder zu den Texten und versah diese als getreuer Wagnerianer in Anspielung auf den salbungsvollen Untertitel «Bühnenweihfestspiel» des «Parsifal» mit der ironischen Bezeichnung «Kinderstuben-Weihfestspiel». Wegen des großen Erfolges in der Familie aber wurde das Werkchen zum Singspiel ausgebaut, wobei Humperdincks Vater und Schwager Wette auch ihre Beiträge in dramaturgischer und textlicher Hinsicht leisteten.

Im Dezember 1890 schließlich fiel der Entschluss, eine vollgültige Oper daraus zu machen – wobei der Komponist zunächst über die damit verbundenen Mühen klagte: «Dieser ewige Dialog, der eigentlich für kleine Kinder berechnet ist, die keine langen Geschichten hersagen können, ist sehr undankbar für die musikalische Behandlung. Das gibt lauter Miniatur- und Ziselierarbeit, bei welcher kein gesunder musikalischer Gedanke aufkommen kann.» Doch schließlich ist ihm das unmöglich Erscheinende gelungen – und zwar gerade durch die spezielle Verbindung von überschaubarem Liedchen und durchkomponierter Großform nach Wagner’schem Vorbild, durch dessen ausgefeilte Leitmotivtechnik eines vollen Orchesters und bezauberndem Volkston.

Die Suite, die eigens für die Aufführung unter der Leitung des jungen Grazer Dirigenten Patrick Hahn im Dezember 2018 in Grafenegg zusammengestellt worden war, beginnt mit dem Vorspiel. Es nimmt einige der wichtigsten und prächtigsten Melodien der Oper vorweg. So stimmen Hörner und Fagotte im «Abendsegen» einen weihevollen Ton an: In der Oper wachen «vierzehn Schutzengel» über die im Wald schlafenden Kinder. Humperdinck begnügt sich aber nicht mit einer bloßen Aneinanderreihung einiger Hits, sondern präsentiert die Motive in kunstvoller symphonischer Verarbeitung und vielfältigen Kombinationen, wobei der choralartige «Abendsegen» die Grundlage bildet.

Daraufhin geht es sogleich in medias res: Humperdinck verwebt in seiner Partitur Kinderlieder wie «Ein Männlein steht im Walde» und «Brüderchen, komm tanz’ mit mir» perfekt mit dem spätromantischen Orchesterklang; fröhliche Duette und Wagner’sche Dialoge gehen geschmeidig ineinander über. Die neue Zusammenstellung verknüpft die entsprechenden Stellen aus zweitem und erstem Bild auf charmante Weise. Szenenwechsel – hin zum zauberhaften Knusperhäuschen: Die Kinder fühlen sich magisch von ihm angezogen und singen verzückt bei seinem Anblick. Wenn sie nur ahnten, wer darin auf sie wartet! Der dramatische «Hexenritt», beinah so etwas wie eine selbständige symphonische Dichtung, lässt an der drohenden Gefahr keinen Zweifel. Im Konzertsaal aber ist diese sogleich gebannt: Mit dem «Knusperwalzer» feiern die Kinder ihren Sieg über das Böse. Der Ausklang freilich ist nicht triumphal, sondern besinnlich – und führt mit dem schlichten Lied des Sandmännchens zur friedvollen Abendstimmung zurück, mit der dieser märchenhafte Opernquerschnitt begonnen hat.

Die Uraufführung am Weimarer Hoftheater am 23. Dezember 1893 dirigierte kein Geringerer als Richard Strauss, der Humperdinck später in einem Brief höchste Anerkennung zollte: «Welch herzerfrischender Humor, welch köstliche naive Melodik, welche Kunst und Feinheit in der Behandlung des Orchesters, welche Vollendung in der Gestaltung des Ganzen.»

Walter Weidringer

 

LIBRETTO

«Hänsel und Gretel»
Auszüge (Zusammenstellung: Roberto Paternostro, Patrick Hahn)

Vorspiel
Aus der 1. Szene des II. Bildes

GRETEL
Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
das da steht im Wald allein
mit dem purpurroten Mäntelein?

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
und hat auf seinem Kopfe schwarz’ Käpplein klein. Sagt, wer mag das Männlein sein,
das da steht auf einem Bein
mit dem kleinen schwarzen Käppelein?
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein.

Aus der 1. Szene des I. Bildes

HÄNSEL
Juchhe!
Jetzt lass uns tanzen und fröhlich sein!

GRETEL
Tanzen! Tanzen! Das wär’ auch mir eine Lust!
Dazu ein Liedchen aus froher Brust!
Was uns die Muhme gelehrt zu singen:
Tanzliedchen soll jetzt lustig erklingen!

Brüderchen komm tanz’ mit mir,
beide Händchen reich‘ ich dir:
einmal hin, einmal her,
rund herum, es ist nicht schwer!

HÄNSEL
Tanzen soll ich armer Wicht,
Schwesterchen, und kann es nicht!
Darum zeig mir, wie es Brauch,
daß ich tanzen lerne auch!

GRETEL
Mit den Füßchen tapp, tapp, tapp,
mit den Händchen klapp, klapp, klapp, einmal hin, einmal her,
rund herum, es ist nicht schwer!

HÄNSEL
Mit den Füßchen tapp, tapp, tapp,
mit den Händchen klapp, klapp, klapp, einmal hin, einmal her,
’rum, es ist nicht schwer!

GRETEL
Ei, das hast du gut gemacht!
Ei, das hätt’ ich nicht gedacht!
Seht mir doch den Hänsel an,
wie der tanzen lernen kann!

Mit dem Köpfchen nick, nick, nick,
mit dem Fingerchen tick, tick, tick,
einmal hin, einmal her,
rund herum, es ist nicht schwer!

HÄNSEL
Mit dem Köpfchen nick, nick, nick,
mit dem Fingerchen tick, tick, tick,
einmal hin, einmal her,
’rum, es ist nicht schwer!

GRETEL
Brüderchen, nun gib mal Acht,
was die Gretel weiter macht!
Lass uns Arm in Arm verschränken,
uns’re Schrittchen paarweis Ienken!
Komm!

HÄNSEL
Ich liebe Tanz und liebe Fröhlichkeit,
bin nicht gern allein.

GRETEL, HÄNSEL
Ich bin kein Freund von Leid und Traurigkeit,
und fröhlich will ich sein!

GRETEL
Tra-la-la, la la la
...
Drehe dich herum, mein lieber Hänsel,
dreh dich doch herum, mein lieber Hans!
Komm her zu mir, komm her zu mir
zum Ringelreigentanz!

HÄNSEL
Geh weg von mir, geh weg von mir,
ich bin der stolze Hans!
Mit kleinen Mädchen tanz‘ ich nicht,
das ist mir viel zu dumm!

GRETEL
Geh, stolzer Hans, geh, dummer Hans,
ich krieg dich doch herum!
Tra la la, la la la
...
Drehe dich herum, mein Iieber Hänsel,
dreh dich doch herum, mein lieber Hans!

HÄNSEL
Tra la la, la la la
...
Ach, Schwesterlein, ach, Gretelein,
du hast im Strumpf ein Loch!

GRETEL
Ach, Brüderlein, ach, Hänselein,
du willst mich hänseln noch?
Mit bösen Buben tanz‘ ich nicht,
das wär‘ mir viel zu dumm!

HÄNSEL
Nicht böse sein, lieb Schwesterlein,
ich krieg‘ dich doch herum!

GRETEL
Tra la la, tra la la
... Drehe dich herum ...

HÄNSEL
Tra la la, tra la la
...

GRETEL, HÄNSEL
Tanz lustig, heißa! Lustig tanz,
lass
dich’s nicht gereun!

GRETEL
Und ist der Strumpf auch nicht mehr ganz
...

HÄNSEL
Und ist der Schuh auch nicht mehr ganz
...

GRETEL
Die Mutter strickt dir’n neu’n!

HÄNSEL
Der Schuster flickt dir’n neu’n!
Tra la la, tra la la ...

GRETEL
Dreh dich herum
...

HÄNSEL
Tra la la, tra la la
...

GRETEL, HÄNSEL
Tra la la, tra la la
...

Aus der 2. Szene des III. Bildes

GRETEL
Bleib stehn, bleib stehn!

HÄNSEL
O Himmel, welch’ Wunder ist hier geschehn?
Nein, so was hab’ ich mein’ Tag’ nicht gesehn!

GRETEL
Wie duftet‘s von dorten,
o schau nur diese Pracht!
Von Kuchen und Torten
...

GRETEL, HÄNSEL
... ein Häuslein gemacht,
mit Fladen und Torten
ist’s hoch überdacht,
die Fenster wahrhaftig,
wie Zucker so blank,
Rosinen gar saftig
den Giebel entlang,
und traun! rings zu schaun
gar ein Lebkuchenzaun!

O herrlich Schlösschen,
wie bist du schmuck und fein!
Welch’ Waldprinzesschen
mag da wohl drinnen sein?
Ach wär‘ doch zu Hause
die Waldprinzessin fein,
sie lüde zum Schmause
bei Kuchen und Wein,
zum herrlichsten Schmause
uns beide freundlich ein,
uns freundlich ein, uns freundlich ein!

Hexenritt. Vorspiel zum II. Bild

Knusperwalzer aus der 3. Szene des III. Bildes

GRETEL, HÄNSEL
Juchhei! Nun ist die Hexe tot,
mausetot, und aus die Not!
Juchhei! Nun ist die Hexe still,
mäuschenstill; Kuchen gibt’s die Füll’!

Nun ist zu End’ der Graus,
Hexengraus,
und der Spuk ist aus!

Ja, lasst uns fröhlich sein,
tanzen im Feuerschein,
halten im Knusperhaus
herrlichsten Freudenschmaus.
Hei! Juchhei, juchhei!

Aus der 2. Szene des II. Bildes

SANDMÄNNCHEN
Der kleine Sandmann bin ich, st!
U
nd gar nichts arges sinn’ ich, st!
Euch Kleinen lieb’ ich innig, st!
Bin euch gesinnt gar minnig, st!
Aus diesem Sack zwei Körnelein
euch Müden in die Äugelein:
die fallen dann von selber zu,
damit ihr schlaft in sanfter Ruh;
und seid ihr brav und fein geschlafen ein:
dann wachen auf die Sterne,
aus hoher Himmelsferne
gar holde Träume bringen euch die Engelein.
Drum träume, träume, Kindchen, träume,
gar holde Träume bringen euch die Engelein!

HÄNSEL
Sandmann war da!

GRETEL
Lasst uns den Abendsegen beten!

GRETEL, HÄNSEL
Abends will ich schlafen gehn,
vierzehn Engel um mich stehn:
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken
...

GRETEL
... zweie, die mich weisen zu Himmels Paradeisen!

HÄNSEL
... zweie, die zum Himmel weisen!

3. Szene des II. Bildes (Pantomime)

 

Akkordeon stop

 

 

 

 

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